Leid ohne Lobby in Swasiland

Angrenzend an den Nordosten Südafrikas liegt das mit ca. 17400 qm² und
ca. 1,2 Millionen Einwohnern sehr überschaubare Land: Swasiland.

Swasiland ist eines der ärmsten Länder der Welt, zwei Drittel der
Bevölkerung liegt unterhalb der Armutsgrenze und versucht von weniger
als einem Euro pro Tag zu überleben. Mehr als 25% der Menschen sind mit
HIV infiziert. Die Lebenserwartung hat sich von 1990 bis heute von ca.
60 Jahren auf ca. 40 Jahre reduziert.

Swasiland ist eng an seinen mächtigen Nachbarn, die Republik Südafrika
gebunden. Ursprünglich von sotho-sprechenden Stämmen besiedelt, wurde
Swasiland Anfang des 19. Jahrhunderts von ngoni-sprechenden Völkern aus
dem Süden „überrannt“. Ihr Häuptling, Sobhusa I., gründete ein
Königreich. 1907 stellten die Briten Swasiland unter ihre
Protektoratsverwaltung. Zusammen mit Botswana, dem damaligen
Betschuanaland und Lesotho (Basutoland) blieb es unter der Kontrolle
des britischen Hochkommissars in der Südafrikanischen Union, als diese
1910 Selbstverwaltung erhielt. 1965 gewährte Großbritannien dem Land
die Möglichkeit auf „Selbstregierung“. Sobhusa II., ab 1921
Oberhäuptling, führt Swasiland 1968 in die Unabhängigkeit. Nach dem
Tode Sobhusa II. wurde am 25. April 1986 sein Sohn Mswati III. zum
König des Swasivolkes bestimmt. Mswati III. regiert per Dekret. Seit
1973 sind in Swasiland, der (letzten) absolutistischen Monarchie in
Afrika alle politischen Parteien unter Strafandrohung verboten.

Der heute 41 jährige Monarch wird häufig wegen seines ausschweifenden
Lebensstils kritisiert. Er hat mehr als ein Dutzend Ehefrauen,
unterhält einen riesigen Fuhrpark und baute jeder seiner Frauen einen
eigenen Palast.

Die Quellen „interessanter“ Rohstoffe, die bis Ende der Siebziger Jahre
noch in Form von Eisenerz vorhanden waren, sind mittlerweile versiegt.
Gefördert werden heute noch kleine Vorkommen von Steinkohle und
Diamanten.

Über 50% der Bevölkerung leben von der selbsterhaltenden
Landwirtschaft, sie bauen also nur an um sich selbst zu ernähren und
nicht um die produzierten Waren zu verkaufen. Angebaut wird meist
Zuckerrohr, Baumwolle, Mais, Tabak, Reis, Hirse und Erdnüsse. Weiterhin
werden Rinder, Schafe und Ziegen zur Eigenverwendung gezüchtet. Dies
bedeutet aber auch, dass in einem schlechten Erntejahr, kein oder nur
wenig Essen auf den Tisch dieser Familien gelangt.

Ein uninteressantes Land für Konzerne und Regierungen, ein Monarch der
im Luxus schwelgt: da fällt die Unterstützung, die bei den Menschen in
Swasiland ankommt überschaubar aus.

Aber aus welchen Gründen soll man gerade in Swasiland
helfen?

Das ist ganz einfach. Weil es für die Kinder, die Menschen in Swasiland
keine Lobby gibt. Wer an Tsunami-Katastrophen oder ausführliche
Berichte aus Indien denkt, wird schnell erkennen, die Probleme dieser
Menschen erreichen die westliche Hemisphere und sind in unser alle
Bewusstsein täglich vorhanden.

Wann aber gab es einen Bericht in den Nachrichten über Swasiland oder
gar die letzte Spenden-Gala für Swasiland?

Es gab sie nicht und es wird sie nicht geben. Denn es leiden zu wenige
Menschen im Zwergenstaat an der nordöstlichen Grenze Südafrikas, dessen
Namen man fast schon wieder vergessen hat, wenn man ihn liest.

Natürlich ist es auch wichtig anderen in Armut und Not lebenden
Menschen zu helfen, viele davon haben jedoch ein gutes Marketing; die
Swasis nicht.

Wer helfen möchte kann dies über eine ganze Reihe von
Hilfsorganisationen tun.

Beispielhaft seien hier die Kindernothilfe
oder WorldVision
genannt. Mein Favorit ist die Kindernothilfe, die nicht nur
Patenschaften, sondern auch Projekte fördert, die Menschen in Swasiland
in die Lage versetzt selbständig zu werden, die Menschen ausbildet und
sie nicht abhängig macht.

Zögert nicht, helft!

Denn jeder Tropfen, wenn er auch wie auf einem heißen Stein verdampft,
hilft vielleicht einen Tag länger zu leben und zu überleben.

Vielen Dank.

Hans

tuxlog



One Response

  1. […] In wenigen Tagen erscheint ein kleiner Artikel oder vielleicht auch eher ein Spendenaufruf von mir auf Robertos Seite. Sobald ich den Link kenne werde ich ihn hier ergänzen. Hier der Link: Leid ohne Lobby […]

Trackback URL for this entry